Ein gedeckter Tisch

Kräuterwanderer erfahren im Wald Vielfalt der Natur - 03.05.11

ERLANGEN - Etwa 30 angehende Kräuterhexen haben sich auf der Jugendfarm versammelt. Auf Initiative des Arche-Bauernhofs Erlangen erhält die bunt gemischte Gruppe einen Einblick in die Welt der heimischen Wildkräuter.


Angehende Kräuterspezialisten helfen der Naturpädagogin Heike Russek (Mitte) und dem „Arche“-Vorstand Helmut Wening beim Brennesselschneiden.
Foto: Horst Linke

Unter der Anleitung von Naturpädagogin Heike Russek und Pfadfinder Helmut Wening durchstreift die Truppe auf der Suche nach „Essbarem“ den Meilwald. Weit muss sie auch nicht gehen: Gleich an der ersten Ecke des Fußmarsches erfolgt der erste von zahlreichen Stopps. Ausgerechnet an einem Brennnesselfeld bleiben die beiden Kräuterexperten stehen.

Russek erklärt, dass man Brennnesseln schmerzfrei pflücken kann, indem man die Stacheln vorher vorsichtig von unten glatt streicht und beherzt zupackt. Die jungen Triebe des eigentlich ungeliebten Krauts eignen sich nicht nur für den klassischen Brennnesseltee, sondern schmecken auch als Pesto oder kurz blanchiert als Brennnesselspinat.

„Wir haben dieses Jahr ein ganz besonderes Frühjahr, in dem alles gleichzeitig wächst“, erklärt Wening der Gruppe. „Deshalb lohnt sich der Gang in den Wald jetzt besonders.“ Dabei bestätigt die Kräuterwanderung auch, dass nicht nur das Trendkraut Bärlauch sehr schmackhaft ist.
So kann man mit anderen Waldkräutern, wie Giersch, im Volksmund wegen des ähnlichen Geschmacks auch Soldatenpetersilie genannt, oder mit Gundermann und Vogelmiere wunderbar würzen. Ein Wildkräutersalat mit Löwenzahn, Sauerampfer und Gänseblümchen hält locker mit gekauftem Grünzeug aus dem Supermarkt mit. Helmut Wening empfiehlt außerdem ein „Lindenblättersandwich“ oder den Biss in die Distel, den „Kohl des armen Mannes“.

Bei Letzterer sollte man allerdings nur das Innere des Blattes essen und auf die stacheligen Ränder verzichten. Während die erwachsenen Kräutersammler teilweise eher skeptisch sind, was alles essbar sein soll, stecken sich die mitwandernden Kinder mutig alles in den Mund, was man ihnen anbietet. „Es gibt doch nichts schöneres als Kinder, die auf der Wiese liegen und grasen“, sagt eine der Mütter lachend.

Besser mit Buch suchen

Neben dem kulinarischen Genuss spielt bei der Kräuterwanderung aber auch die Heilwirkung der Pflanzen eine große Rolle. Die Schafgarbe, die im Mittelalter auch „Augenbraue der Venus“ genannt wurde, wirkt zum Beispiel krampflösend. Eine Tinktur aus Spitzwegerich hilft sehr gut bei Insektenstichen.

Naturpädagogin Heike Russek erklärt die vielfältigen Einsatzgebiete verschiedener Kräuter, warnt allerdings auch davor Pflanzen zu pflücken, die man nicht kennt. Maiglöckchen, Schlüsselblumen oder auch die Eibe sind zum Beispiel giftig. Generell gilt bei den meisten Kräutern aber: Die Menge macht das Gift. Wening und Russek empfehlen angehenden Kräuterhexen deshalb, sich ein Wildkräuterbuch zuzulegen.

Nach dem einstündigen Streifzug durch den Meilwald findet sich die Gruppe wieder an der Jugendfarm ein. Hier werden die gesammelten Kräuter sortiert und verarbeitet. Für den kleinen Hunger nach der Wanderung wird neben dem klassischen Bärlauchpesto auch eine Kräuter-Tomaten-Butter, ein gemischtes Wildkräuterpesto und in Wildkräutern geschwenktes Kartoffel-Karotten-Gemüse hergestellt. Außerdem weiht Heike Russek die Gruppe in die Geheimnisse der Tinkturherstellung ein. Wildkräuterrezepte zum Beispiel für Sauerampfersuppe oder Bärlauchcreme findet man auch auf der Homepage des Arche-Bauernhofs.

© ERLANGER NACHRICHTEN - 03.05.2011